Bundeskanzleramt

Das Kanzleramt Berlin

Bestenfalls hat Henry Moores Skulptur "Two Large Forms" ein nachhaltiges Bild vom alten Kanzleramt in Bonn geprägt. Das Gebäude selbst hatte eher den Charme einer "groß geratenen rheinischen Sparkasse", so der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt.

Im April 2001 hat nun das Zentrum der Macht ein neues Domizil in Berlin bezogen. Oder anders gesagt, die deutsche Exekutive hat ein neues Zentrum. Und was für eins: keine Spur von totalitärer Einschüchterungsarchitektur, dafür viele Hinweise auf eine schon fast leichtfüßig zu nennende, selbstbewusste Repräsentationslust - ohne jegliche Identitätstümelei. Mit ihrem überraschenden Entwurf wollten die Architekten Axel Schultes und Charlotte Frank eine neue Ära deutscher "Machtästhetik" einläuten.


Auftragsmerkmale


Bei aller Formenvielfalt am Gebäude, die Innenausstattung folgt den Richtlinien des Architekten, die kaum eine Ausnahme zulassen. Lamellentüren, Schreibtische, Regale und Schränke aus Buche sind rotgedämpft. Fensterrahmen, Handläufe und einige Wände sind grünmetallic. Kappen und Hebel der Türtechnik von DORMA wurden den Türfarben angepasst. Teppichböden in Türkisgrün komplettieren das Farbenspiel, auch Lampen, Toilettenrollenhalter und Türdrücker sind definiert.

 

Rekonstruierter Klassiker

 

Als Türdrücker favorisierte Axel Schultes einen Bauhaus-Klassiker von 1928. Ihn gab es nur in Messingausführung der Firma P. Bisschop. Aber der Designer Gottfried Heinz machte ihn in kurzer Zeit objekttauglich. Gemeinsam mit OGRO entwickelte man eine Serie in Edelstahl, spiegelpoliert inklusive der Rosetten und Schilder. Ca. 3.000 Türdrücker wurden exklusiv für das neue Bundeskanzleramt produziert. Dem amtierenden Kanzler und allen ihm Folgenden bleibt zu wünschen, dass dieses Gebäude sie dabei unterstützen möge, die Regierungsgeschäfte immer fest im Griff zu haben.

Projektdaten
Projekt Bundeskanzleramt
Architekt Axel Schultes und Charlotte Frank
Auftraggeber Bundesrepublik Deutschland
Erbauungszeit 2001
Standort 10557 Berlin